Grundloser Rauswurf bei Leiharbeitsfirma Optiper – FAU Plauen klagt!

Wenn wir dich nicht mehr brauchen, schmeißen wir dich raus – notfalls auch ohne Grund. Das ist die dauerhafte Realität unzähliger Leiharbeiter*innen. So auch in diesem Fall: Seit fast zwei Jahren hatte ein Arbeiter aus Plauen für die bundesweit tätige Leiharbeitsfirma Optiper im Sägewerk Rettenmeier nahe Hirschberg (Ostthüringen) gearbeitet. Nun gab es eine Kündigung – und die Leiharbeitsfirma hielt es nicht einmal für nötig, einen Kündigungsgrund anzugeben.

Bei der Tätigkeit in Hirschberg handelt es sich um schwere körperliche Arbeit im Dreischichtsystem, knapp über dem Mindestlohn bezahlt. Selbst wenn die Leiharbeiter als Maschinenbediener quasi die selbe Tätigkeit ausführen wie die Stammbelegschaft, gibt es zwar 50 Cent mehr als für bloße Hilfsarbeiten, jedoch immer noch deutlich weniger Stundenlohn als für regulär Beschäftigte. Mal ganz abgesehen von Perspektive, jederzeit mit einer Kündigungsfrist von 4 Wochen entlassen zu werden.
So auch in unserem Fall – doch die Kündigung ohne Grund ist ein klarer Verstoß gegen geltendes Arbeitsrecht! Mündlich wurde dem entlassenen Arbeiter gegenüber geäußert, es gebe wegen des Umbaus einer Abteilung in Hirschberg nichts mehr zu tun. Doch sind die Leiharbeiter*innen bei Optiper beschäftigt – und somit besteht die Möglichkeit, statt einer Kündigung andere Beschäftigungsorte für die Arbeiter*innen zu finden.
Womit die Leiharbeitsfirma nicht rechnete: Der gekündigte Arbeiter ist Gewerkschafter, und so wurde durch die Vermittlung der FAU Plauen mit Hilfe eines erfahrenen Arbeitsrechtsanwalts Kündigungsschutzklage am Arbeitsgericht eingereicht.
Ein Großteil des produzierenden Gewerbes im Vogtlandkreis und den angrenzenden Landkreisen wie dem Saale-Orla-Kreis wird von Leiharbeiter*innen am Laufen gehalten. Die Betriebe profitieren davon auf verschiedene Weise: Unbequeme oder unangepasste Arbeiter*innen können viel leichter wieder losgeworden werden, zudem erhöht Leiharbeit als permanent sichtbare Drohung den Druck auf die Stammbelegschaften. Am meisten profitieren natürlich die Leiharbeitsfirmen, die selbst aus simplen Leistungen wie Fahrdiensten, die hinterher vom Lohn wieder abgezogen werden, Profit schlagen. Wer nicht profitiert: Die Arbeiter*innen. Gerade für migrantische Arbeitskräfte – wie in unserem Fall – ist mies bezahlte Leiharbeit als Endlosschleife quasi die einzige Perspektive in dieser Region. Eine Übernahme der Arbeitskräfte in die Stammbelegschaften ist in diesem System weder vorgesehen noch erwünscht. So wird sich eine bequeme Reservearmee an prekären Arbeitskräften gehalten, die bei schlechter Auftragslage jederzeit entlassen werden können und bei unangepasstem Verhalten jederzeit austauschbar sind. Sozialarbeiter*innen berichten von Fällen junger Migrant*innen, die bei regionalen Leiharbeitsfirmen ohne Angabe von Gründen fristlos entlassen wurden, wenn sich die Auftragslage verschlechterte.

Gegen diese Ausbeutungsformen hilft nur die Selbstorganisierung der Beschäftigten!
Öffentliche Aktionen der FAU Plauen, auch in Bezug auf Optiper, werden folgen.
Leiharbeit abschaffen – den Profiteuren auf die Pelle rücken!

[ssba]