Wir solidarisieren uns mit dem Mitglied der Linken, das am Montag, dem 02.11.2026, in Gera nach einer Kundgebung gegen einen Neonazi-Aufmarsch angegriffen und schwer verletzt wurde. Auf dem Nachhauseweg wurde die Person von mehreren Männern attackiert. Erst als ein Passant zur Hilfe kam, ließen die Angreifer von ihr ab und ergriffen die Flucht. Die Angreifer trugen Kleidung, die der rechten Szene zuzuordnen ist. Die Person musste im Krankenhaus intensivmedizinisch behandelt werden und erlitt unter anderem einen Rippenbruch und eine Hirnverletzung.1 2 3 4
Angriffe von Menschen aus dem rechten Spektrum sind keine Einzelfälle. Die Täter handeln nicht aus Wut oder Angst, sondern setzen konsequent ihr menschenverachtendes Weltbild in die Tat um. Ihre Gewalt richtet sich gegen alle, die sich gegen faschistische Einstellungen engagieren, in einer Gewerkschaft aktiv sind, sich für queeres Leben einsetzen oder einfach nicht in das Bild des „weißen Deutschen” passen.
Erst im April versuchten zwei Neonazis in Stuttgart, ein Mitglied der Freien Arbeiter*innen Union mit einem Messer zu töten.5 6 7 Im Oktober kam es auf der Aftershowparty eines Konzerts der rechtsoffenen Band „Krawallbrüder“ in der Schweiz zu einer Auseinandersetzung, bei der eine junge Person aus Thüringen tödlich verletzt wurde. Der Fall ist bisher nicht vollständig aufgeklärt, es wird jedoch angenommen, dass es nach dem Zeigen von Hitler-Grüßen und dem Abspielen eines Landser-Songs zu einer Intervention des Ermordeten und weiterer Gäste kam, die damit nicht einverstanden waren. Der mutmaßliche Täter sitzt derzeit in Untersuchungshaft und ist langjähriges Mitglied des Neonazi-Netzwerks „Blood & Honour“. 8 9 10 11
Diese Vorfälle sind nur einige aktuelle Beispiele, die die anhaltende Bedrohung durch rechte Gewalt in Thüringen, Deutschland und darüber hinaus bezeugen. Der Angriff in Gera ereignete sich 15 Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU: Zehn Menschen sind aufgrund einer rassistischen, menschenverachtenden Weltanschauung nicht mehr am Leben. Hätten die Sicherheitsbehörden die Hinweise damals ernst genommen, könnten alle zehn noch am Leben sein.
Rechte Gewalt hat eine lange Kontinuität und beginnt nicht mit einem Faustschlag oder einem Fußtritt. Sie wird durch Parteien wie die AfD gefördert, die die gleichen menschenverachtenden Ziele verfolgt, ihren Worten jedoch einen parlamentarischen Anstrich verleiht. Und sie wird ermöglicht durch konservative Parteien und die sogenannte „Mitte“, die das Engagement gegen Faschismus kriminalisiert.
Wir wünschen der betroffenen Person aus Gera eine schnelle Genesung sowie viel Mut und Kraft. Wir sind solidarisch mit allen Betroffenen rechter Gewalt.
Als Gewerkschaft wünschen wir uns: Vernetzt euch! Unterstützt Betroffene! Werdet aktiv für ein Leben in Würde und Gerechtigkeit für alle!
Beitragsbild: Antifaschistische Aktion Gera [AAG]
via Instagram
Quellen:
- Ostthüringer Zeitung. (04.11.2026). Hirnquetschung, Rippenbrüche: Linken-Mitglied in Gera nach Kundgebung attackiert und verletzt. https://www.otz.de/lokales/gera/article413588467/hirnquetschung-rippenbrueche-linken-mitglied-in-gera-nach-kundgebung-attackiert-und-verletzt.html
- Dielinke.gera_. (04.11.2026). Hinterlistig niedergeschlagen…Solidarität und Unterstützung für unser Mitglied! [Beitrag]. Instagram. https://www.instagram.com/p/DfUADbyF4rd/
- Aktionantifagera. (04.11.2026). Rechtsextremer Angriff in Gera. Antifaschistische Person krankenhausreif geschlagen. [Beitrag]. Instagram. https://www.instagram.com/p/DfUb7sKgr99/?img_index=1
- Gera.gegenrechts. (04.11.2026). Angriff nach Gutes für Gera. Nazis überfallen Demoteilnehmer auf Heimweg. [Beitrag]. Instagram. https://www.instagram.com/p/DfUl6lcDGmt/?img_index=1
- Reede, A. (02.11.2026). Versuchter Mord an FAU-Gewerkschafter: 1. Prozesstag. In: Direkte Aktion. https://direkteaktion.org/2026/11/erste-gedanken-zum-prozessauftakt-nach-dem-rechten-mordversuch-an-einem-gewerkschaftskollegen-der-freien-arbeiterinnen-union-fau-stuttgart/
- Uni gegen Rechts. (16.07.2026). Solidarität mit niedergestochenem Antifaschisten und Gewerkschafter in Stuttgart. https://unigegenrechts.org/2026/07/16/solidaritaet-niedergestochener-antifaschist.html
- FAU Jena. (03.08.2026). Rechte Gewalt tötet – Solidarität mit niedergestochenem Antifaschisten in Stuttgart. https://jena.fau.org/2026/08/03/rechte-gewalt-toetet-solidaritaet-mit-dem-ermordeten-antifaschisten-in-stuttgart/
- MDR. (27.10.2026). Thüringer stirbt nach „Krawallbrüder“-Konzert in der Schweiz. https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/kyffhaeuser/krawallbrueder-konzert-toter,neonazi-104.html
- Blick.ch. (25.10.2026). Dramatische Augenzeugenberichte aus Tuggen Toter nach Konzert: Verhafteter ist Blood-and-Honour-Nazi. https://www.blick.ch/schweiz/zentralschweiz/schwyz/totschlaeger-von-tuggen-ist-ein-blood-and-honour-nazi/tlk6xpd
- Die Zeit. (26.10.2026). Schweizer Neonazi soll Deutschen nach Konzert tödlich verletzt haben. https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-10/krawallbrueder-konzert-tuggen-schweiz-hitlergruss-blood-honour
- Fabianeberhard. (23.10.2026). Neue Entwicklung im Fall des verstorbenen Deutschen. [Beitrag]. Instagram. https://www.instagram.com/p/De1zdDvNJCt/

