tegut… gute Lebensmittel – bescheidene Arbeitsbedingungen

Der tegut… in Jena gilt als beliebter Arbeitgeber bei Studierenden. Es gibt mit 10,57 € mehr als den Mindestlohn und zusätzlich kommen Aufschläge für Spät- oder Wochenendarbeit hinzu. 
Damit hört es dann aber schon auf, denn die Studierenden sind als kurzfristig Beschäftigte über einen auf ein Jahr begrenzten Rahmenvertrag angestellt. Das bedeutet, dass tegut… mit den Studierenden innerhalb dieses Rahmenvertrags mündlich eintägige, befristete Arbeitsverträge schließt. Insgesamt maximal 70 Stück (= 70 Tage), damit es noch als kurzfristige Beschäftigung gilt. Zu Stande kommen diese skurrilen eintägigen Verträge – die auch an der Uniklinik bei den Pflegeassistent*innen zu finden sind – dann mit Schichtbeginn, sprich bei Erkrankung gibt es keine Entgeltfortzahlungen, da für den Tag kein Vertrag geschlossen wurde. Ebenso wird auf dieser “Vertragsgrundlage” der Urlaubsanspruch abgelehnt, da ein Urlaubsanspruch erst nach einmonatiger Beschäftigung entsteht.

Dies nahm eine ehemalige, bei uns organisierte tegut…-Beschäftigte nicht hin und forderte gemeinsam mit uns erfolgreich die Vergeltung des vorenthaltenem Urlaubsanspruches. Bereits während der Beschäftigungsdauer hatte sie beim Vorgesetzten nach ihren Urlaubsanspruch gefragt. Dieser erwiderte, dass sie keine Schichten mehr bekäme, wenn sie ihren Urlaub einfordern würde. Eine Praxis, welche wir für mehr als fragwürdig halten und die sich auch schwer mit der sozialen Verantwortung in Einklang bringen lässt, zu der sich tegut… selbst und auch seine Lieferant*innen in ihrer Corporate Social Responsibility Policy (CSR) Erklärung verpflichtet.

 

Nachdem tegut… zunächst die Forderung ablehnte, wirkte eine eingereichte Klage und der Arbeitgeberverband Nordhessen, bei dem tegut… Mitglied ist, bot uns eine Einigung an, welche wir angenommen haben. Immer wieder versuchen Arbeitgebende durch “kreative” Wege geltendes Arbeitsrecht zu umgehen und es liegt an uns dagegen vorzugehen. Festangestellte werden bei tegut… nach Tarif bezahlt, jedoch sind die Kassen fast vollständig mit Studierenden besetzt, die aus diesem herausfallen und nur einen Rahmenvertrag haben. Wir lehnen dieses Lohndumping ab. Arbeits-Rechte wurden uns nicht vom Staat geschenkt, sondern durch Kämpfe errungen. Daher ist es unsere Aufgabe, diese Rechte zu verteidigen und zu erweitern.
[ssba]

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