Aktuelle Arbeitskämpfe

19.12.2018

„Sag mal geht’s noch?“ Gegen miese Arbeitsbedingungen in Pflege und Betreuung!
FAU Plauen im Arbeitskampf mit der Lebenshilfe Zeulenroda e.V.

Bereits seit Sommer 2018 befindet sich die Freie ArbeiterInnen Union Plauen (FAU) in einer Auseinandersetzung mit der Lebenshilfe Zeulenroda e.V.. Es geht um die Zahlung ausstehender Löhne an einen gekündigten Kollegen sowie um prekäre Arbeitsbedingungen im Allgemeinen.

Nachdem sich mehrere Beschäftigte kritisch gegenüber den unhaltbaren Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen der Zeulenrodaer Lebenshilfe geäußert hatten, begann die Geschäftsleitung Schritt für Schritt, die unbequemen Angestellten vor die Tür zu setzen. Teils kamen dabei erfundene Vorwürfe vermeintlichen Fehlverhaltens zum Einsatz. Ein Betroffener wandte sich an die FAU Plauen. Da es sich bei ihm um eine Probezeitkündigung handelte, konnten wir gegen die Kündigung juristisch nichts machen – uns schockierten jedoch die Zustände vor Ort. Verstöße gegen arbeitsrechtliche Regelungen scheinen ebenso an der Tagesordnung zu sein wie die gezielte Ausübung von Druck gegenüber unbequemen oder offen kritischen ArbeiterInnen. Noch immer wartet der ehemalige Beschäftigte auf seinen letzten Monatslohn sowie auf weitere ihm zustehende Zahlungen: Beispielsweise wurden Nachtschichten in der Betreuung von Menschen mit Behinderung systematisch als „Bereitschaftsstunden“ deklariert. Dies bedeutet, dass die Angestellten faktisch arbeiteten, jedoch innerhalb eines festgelegten Zeitraumes von vier Stunden nur eine Stunde bezahlt bekamen. Auch wurden die Betreuungskräfte unterhalb des gesetzlichen Pflegemindestlohnes bezahlt, obwohl dieser ihnen in ihrer Ausübung von Tätigkeiten in der Betreuung von Menschen mit Einschränkungen zusteht.

Nach wie vor scheint die Lebenshilfe Zeulenroda e.V. nicht dazu bereit zu sein, ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber ihrem ehemaligen Angestellten nachzukommen. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass sich an den Bedingungen in den Zeulenrodaer Betreuungseinrichtungen nichts geändert haben dürfte – erst recht nicht, nachdem kritische Arbeitskräfte systematisch entfernt wurden.
Uns ist bewusst, dass es sich bei der Lebenshilfe Zeulenroda e.V. nicht um ein einzelnes „schwarzes Schaf“ in der Pflegebranche handelt, sondern dass dort weit verbreitet und systematisch arbeitsrechtliche Mindeststandards unterlaufen werden. Einsparmaßnahmen und der Zwang zum profitablen Arbeiten werden auf dem Rücken der ArbeiterInnen und – in letzter Instanz – zu Lasten der Hilfebedürftigen ausgetragen. Beides ist für uns nicht hinnehmbar!

Wir haben also beschlossen, die Öffentlichkeit über die Arbeitsbedingungen bei der Lebenshilfe Zeulenroda e.V. und über generell unhaltbare Zustände im Pflegesektor zu informieren. Mit dem Beginn dieser Woche haben wir mit der Verteilung eines Infoflyers begonnen, den wir im Folgenden dokumentieren wollen:

[ssba]