Die FAU lässt sich von der Personalversammlung der Uni Jena nicht ausladen!

Am 13. Februar 2018 wurden wir als FAU nach einer entsprechenden Anfrage vom Personalrat der Uni Jena von der Personalversammlung ausgeschlossen. Die Begründung war, dass wir keine „richtige“ Gewerkschaft seien. Damit wurde uns ein grundlegendes gewerkschaftliches Recht verwehrt. Wir lassen das jedoch nicht so einfach mit uns machen und haben vor der Vollversammlung vom 22. Februar 2018 weit über 300 Flugblätter an alle Angestellten verteilt, die zur Personalversammlung gekommen sind. Darin informieren wir über unsere Tätigkeiten und laden dazu ein, sich zu organisieren und bei uns mitzumachen.

Im Folgenden dokumentieren wir den Text des Flugblatts:

Neue Basisgewerkschaft FAU mischt die Uni auf

Seit Mitte 2016 kämpft die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) Jena bzw. kämpfen die in ihr organisierten studentischen und nicht-studentischen Arbeiter_innen an der Uni für die Verbesserung ihrer Arbeitsverhältnisse. Dabei konnten wir bereits einige Erfolge verzeichnen. Im CATI-Labor der Soziologie haben wir die Werksvertragspraxis beseitigt und wenigstens ordentliche Hilfskraftverträge durchgesetzt, im Methodenlabor konnten wir die Auszahlung unbezahlter Überstunden erreichen und seit Anfang des Jahres konnten wir den missbräuchlichen Einsatz von Studierenden als Studentische Hilfskräfte (SHks) zur Unterlaufung des Tarifvertrags einschränken. In den Bibliotheken wurden so neue TV-L Stellen geschaffen, in anderen Bereichen wie der EDV die SHKs in den Tarifvertrag aufgenommen. Dies mag bei den einen oder anderen Beschäftigten für Unmut gesorgt haben, da die Studis so schön flexibel waren, aber verbessert zum einen die Situation der betroffenen Arbeiter_innen enorm und zum anderen sichert es die Stellen der tariflich Beschäftigten, da sie eben nicht mehr so leicht durch SHKs ersetzt werden können.

Natürlich schafft die Universität solch prekäre Arbeitsverhältnisse nicht aus böser Absicht, sondern unter dem Druck der Unterfinanzierung der Hochschulen. Eine Unterfinanzierung, welche auf Kosten der Arbeiter_innen ausgetragen wird. Das nehmen wir nicht hin. Wir wollen nicht nur symbolisch protestieren, sondern ökonomisch, öffentlich und juristisch Druck machen und deutlich machen, dass unter diesen Bedingungen ein ordenungsgemäßer Betrieb der Universität nicht mehr machbar ist. Entsprechend organisieren sich bei uns nicht mehr nur Studierende, sondern ebenso wissenschaftliche Mitarbeiter_innen, Verwaltungspersonal und Lehrbeauftragte.

Kämpferische Basisgewerkschaft? Hä?

Wir funktionieren anders als die bekannten herkömmlichen Gewerk­schaften. Unsere Strukturen – lokal wie überregional – basieren auf Voll­versammlungen, selbstständigen Arbeitsgruppen und rotierenden Mandaten. Wir lehnen bezahlte Funktionäre ab und setzen auf das Prinzip der Selbstvertretung – natürlich immer mit der Unterstützung der gesamten gewerkschaftlichen Struktur. Darüber hinaus verstehen wir uns explizit als politische Struktur mit klarem Klassenstandpunkt. Als Lohnabhängige lehnen wir die Sozialpartnerschaft, die institutionalisierte Zusammenarbeit mit der Politik und unseren Chefs bzw. mit Staat und Kapital ab. Wir arbeiten nicht zum Spaß, sondern aus ökonomischem Zwang, daher versuchen wir soviel wie möglich rauszuholen und das selbstverständlich immer auf Kosten der Arbeitgeberseite.

Warum vor der Personalversammlung statt in ihr?

Eine Organisation wie die FAU ist im deutschen Arbeitsrecht und in der zentralistischen Gewerkschaftslandschaft der BRD nicht wirklich vorgesehen. Folglich spalten sich die Geister darüber, wie wir zu behandeln sind. Der Personalrat (PR) der Uni Jena versteckt sich hinter Auffasung der Uni, dass wir nur eine Arbeitnehmerkoalition und damit keine „richtige“ Gewerkschaft seien. Daher sei er nicht berechtigt, uns zur Personalversammlung einzuladen. Damit wurde uns ein grundlegendes gewerkschaftliches Recht verwehrt und wir möchten an dieser Stelle sagen, dass wir uns von den Kolleg_innen im Personalrat mehr Rückgrat und mehr Solidarität gewünscht hätten.

Neugierig geworden?

Auf unserer Website jena.fau.org ist noch mehr zu erfahren. Ihr könnt auch einfach persönlich in unserem Gewerkschaftslokal „Milly Witkop“ in der Bachstraße 22, 07743 Jena vorbeischauen. Dort sind wir jede Woche Dienstag von 18 bis 19 Uhr während unser Gewerkschaftlichen Sprech­stunde anzutreffen. Wer sich bei uns organisieren möchte, kann jeden zweiten Donnerstag, in den ungraden Wochen, von 16 bis 18 Uhr zum Treffen der Bildunssektion im FAU-Lokal dazustoßen.

[ssba]

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