Was uns der Fall „Giancarlo“ zu sagen hat

Ende Juni 2018 hat eine portugiesische Arbeiterin die Weimarer Giancarlo-Gruppe verlassen – unter welchen Umständen, sollte Streitpunkt eines viermonatigen Konflikts werden. Uns, der FAU Jena, konnte sie glaubhaft vermitteln, dass sie fristlos gekündigt wurde und so stellten wir für sie eine Kündigungsschutzklage, machten auf den Fall aufmerksam und organisierten eine Protestkundgebung gemeinsam mit migrantischen Arbeiter*innen aus Weimar vor dem Eiscafé Giancarlo und dem Restaurant Mi Piace. In der Güteverhandlung Anfang August hat die Giancarlo-Gruppe dann einen unterzeichneten Aufhebungsvertrag aus dem Hut gezaubert. Wir haben unsere Klage nun zurückgezogen. Im Folgenden wollen wir vom Konflikt berichten, diese Entscheidung begründen und einige Schlussfolgerungen ziehen.

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Kundgebungen vor Einrichtungen der Weimarer Giancarlo-Gruppe nach fristloser Kündigung

Nachdem eine Angestellte der „Gelateria Giancarlo“ fristlos gekündigt wurde, weil sie nach ihrem Trinkgeld gefragt hatte, fanden am Donnerstag dem 2. August vor der „Gelateria Giancarlo“ und dem Restaurant „Mi Piace“, beide Teil der Weimarer Restaurantkette „Gruppo Giancarlo“, Kundgebungen mit rund 20 Teilnehmer*innen statt.

Gute zwei Stunden lang wurden – begleitet von Redebeiträgen – Flyer verteilt und Gespräche mit den Passant*innen geführt. Diese zeigten sich größtenteils sehr aufgeschlossen gegenüber der Problematik und begrüßten die Aktion. Viele Gesprächspartner*innen äußerten, dass die miserablen Arbeitsbedingungen bei der Giancarlo Gruppe in der Stadt bekannt seien und berichteten teilweise von eigenen Erfahrungen als frühere Angestellte bzw. bei Bewerbungsgesprächen in den Einrichtungen der Giancarlo-Gruppe.

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Solidarität mit der gefeuerten Arbeiterin gegen die Willkür des Chefs!

[English follows German]

Aufruf der FAU Jena zu Protestkundgebungen vor Läden der Giancarlo-Gruppe in Weimar

2. August 2018, 17:00 Uhr vor der Gelateria Giancarlo in der Schillerstraße 11 und 18:00 Uhr vor dem Mi Piace in der Puschkinstraße 1

Diesen Sommer wurde eine Arbeiterin von der Giancarlo Gruppe gefeuert, nachdem sie vom Chef das Trinkgeld gefordert hatte. Außerdem wurde sie aus ihrer Wohnung geschmissen, denn sie und ihre Kolleg_innen wohnen in Wohnungen, die ihnen von ihren Chef vermietet werden. Wir haben dazu bereits eine Veröffentlichung gemacht und eine Kündigungsschutzklage eingereicht. Die Güteverhandlung mit der Giancarlo-Gruppe findet am 6. August in Erfurt statt.

Wir wollen der Giancarlo-Gruppe nun mit Protestkundgebungen vor ihren Läden zeigen, dass wir uns das nicht gefallen lassen! Außerdem möchten wir die Menschen in Weimar darüber informieren, unter welchen Bedingungen migrantische Arbeiter_innen in den Vorzeigerestaurants ihrer Vorzeigestadt arbeiten müssen. Kommt alle vorbei!


Workers‘ Solidarity Against Arbitrary Bosses!

Call of FAU Jena to protest rallies in front of branches of the Weimar Giancarlo group

2nd August, 2018, 5 pm in front of Gelateria Giancarlo at Schillerstraße 11 an 6 pm in front of Mi Piace at Puschkinstraße 1

This summer one worker was fired by the Giancarlo group after demanding the tips from her boss. Moreover, she was also kicked out of her flat as she and her colleagues live in flats rented to them by their very bosses. We have already made a publication and filed a lawsuit against the dismissal. The conciliation hearing will take place on 6th August in Erfurt.

Now we want to show Giancarlo group with protest rallies in front of their branches that we won‘t put up with that! We also want to inform people from Weimar about the conditions in which immigrant workers have to work in the showpiece restaurants of their showpiece city. Join the protest!

Wegen Ausbeutung und Arbeitgeberwillkür: Arbeiterin wehrt sich gegen die Giancarlo Gruppe in Weimar

Nachdem die Weimarer Restaurantkette ‚Gruppo Giancarlo‘ in der Vergangenheit aufgrund baurechtlicher und veranstaltungsrechtlicher Probleme auffällig war, dringen nun arbeitsrechtliche Missstände ans Tageslicht. Neben den in der Gastronomie üblichen Verstößen u.a. gegen das Arbeitszeitgesetz leben die meist migrantischen Angestellten in extremer Abhängigkeit vom Arbeitsverhältnis und sind so der Willkür der Bosse ausgesetzt. Mehrere portugiesische Arbeiter*innen haben sich jetzt innerhalb der FAU Jena organisiert.

In einem konkreten Fall wurde eine Angestellte fristlos gefeuert, nachdem sie nach dem ihr zustehenden Trinkgeld gefragt hatte. Die FAU Jena geht nun mit gewerkschaftlichen und juristischen Mitteln gegen die Kündigung vor. Im Zusammenhang damit kommt es am 6. August zur Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Erfurt. Im Zuge der Auseinandersetzung sind weitere Missstände sichtbar geworden.

Die migrantischen Arbeiter*innen, überwiegend aus Portugal, Rumänien und Polen, werden direkt in ihren Herkunftsländern angeworben und in Wohnungen untergebracht, welche von der Restaurantkette selbst angemietet werden. Mit dem Arbeitsvertrag wird ein einseitiger Mietvertrag mit dem Arbeitgeber unterschrieben und die Miete wird direkt vom Lohn abgezogen. Bei oben genannter Kündigung des Arbeitsverhältnisses ging damit zugleich die Aufforderung einher, die Wohnung innerhalb von vier Tagen zu verlassen. Die Kollegin wurde wegen ihrer legitimen Forderung also im wahrsten Sinne des Wortes unvermittelt auf die Straße gesetzt.

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Weimar restaurant “Dal Pescatore” refuses to pay employee / Weimarer Restaurant „Dal Pescatore“ verweigert Gehaltszahlung

+++ german version below +++

A worker of the catering trade who has been employed by the Weimar “Dal Pescatore” restaurant as a full-time waiter demands the payment of his unpaid salary.

What’s the trouble?

Despite of several requests the worker has made to “Dal Pescatore” the salary wasn’t received. After 40 days of unpaid work and in response to this unlawful treatment, the worker was forced to leave his place of work claiming his right of retention (BGB § 273).

We, as wage earners, depend on this money to make a living, which is why we can’t afford to not be paid simply because our bosses don’t feel like paying. Weiter lesen „Weimar restaurant “Dal Pescatore” refuses to pay employee / Weimarer Restaurant „Dal Pescatore“ verweigert Gehaltszahlung“

Erfolgreiche Lohneintreibung im Stilbruch

Und plötzlich ging es doch ganz schnell. Zwei Tage vor der Güteverhandlung und direkt nach Anmeldung der Kundgebung kam doch noch ein Angebot des Stilbruchs für eine außergerichtliche Einigung. Mit sofortiger Wirkung und einer „pauschalen Aufwandsentschädigung“ in angemessener Höhe wurde das Arbeitsverhältnis nun einvernehmlich beendet. Die Gastro-AG der FAU Jena hat damit mal wieder erfolgreich demonstriert, dass es sich lohnt Arbeitskämpfe zu organisieren und offensiv zu führen.

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Aufruf zur Kundgebung am 2. März: „Missverständnis“ in Jenaer Gastronomie – Stilbruch verweigert Lohn

*Kundgebung abgesagt, da Stilbruch eingeknickt ist. Ausführliche Mitteilung folgt*

Als sich eine Minijobberin am 8. Januar ihre Schichten abholen wollte, teilte ihr der Küchenchef des Stilbruchs mit, dass sie nicht mehr zu kommen braucht. Gemeinsam mit der FAU Jena ging sie gegen diese mündliche Kündigung vor. Plötzlich war die Kündigung nur noch ein Missverständnis, aber neue Schichten gab es trotz wiederholter Nachfrage nicht und damit auch keinen Lohn.

Diese „kalte Kündigung“ – Verweigerung von Schichten – nehmen wir nicht hin und fordern Annahmeverzugslohn, da bei bestehendem Arbeitsverhältnis Arbeitgebende die Pflicht haben, Arbeit zu geben und entsprechend zu bezahlen.

Wir als Lohnabhängige sind auf dieses Geld angewiesen um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten, weswegen wir es uns nicht mal eben leisten können zwei Monate keinen Lohn zu bekommen, nur weil es unseren Arbeitgeber*innen gut in die Rechnung passt.

Daher rufen wir auf, die Minijobberin am Freitag, den 2. März ab 17:30 vor dem Stilbruch (Wagnergasse) zu unterstützen. Zeigt euch solidarisch, kommt zur Kundgebung und startet eigene Arbeitskämpfe!

Erneutes „Missverständnis“ in Jenaer Gastronomiebetrieb – Stilbruch verweigert Lohn

Einer studentischen Minijobberin, welche seit Oktober 2017 im Restaurant Stilbruch in der Wagnergasse als Aushilfe angestellt ist, hat nun zum März 2018 eine formelle fristgerechte Kündigung erhalten.

Doch wo liegt das Problem?

Endlich hat sie die Kündigung erhalten, denn was nach einer üblichen Beendigung des Arbeitsverhältnisses klingt, hat langwierige Vorgeschichte: Als die Betroffene im Januar wie gewohnt zur Schichtvergabe erschien, nahm sie der Küchenchef beiseite, um ihr mitzuteilen, dass das Arbeitsverhältnis beendet sei, sie nicht mehr gebraucht werde und jetzt gehen könne.

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Lohneintreibung beim Zapata durchgesetzt

Im Arbeitskonflikt um ausstehende Lohnansprüche einer ehemaligen Minijobberin aus dem Zapata konnte im Rahmen eines Einigungsgesprächs am 30. Januar 2018 eine Lohnnachzahlung von mehr als einen Monatslohn erzielt werden. Der Konflikt ist damit für uns beendet und die Gastronomie-AG der FAU Jena hat damit ein weiteres Mal erfolgreich die Interessen der prekären Arbeiter_innen in den Jenaer Bars und Kneipen durchgesetzt.

Dabei hat sich wiedereinmal gezeigt, dass ein offensives und öffentliches Handeln schnell zum Erfolg führt, so dass wir nur die ersten Schritte unserer Eskalationsstrategie umsetzen mussten und vor allem auf juristische Mittel  verzichten konnten. Dabei ist entscheidend, dass die Minijobberin nicht allein dastand, sondern sich in der FAU organisiert hat. Erst der Zusammenschluss von mehr Arbeiter_innen in Betriebsgruppen und in Gewerkschaften kann ihre Verhandlungsposition im Betrieb und darüber hinaus stärken – eine Aufgabe, die sich die Gastro-AG für die Jenaer Gastronomie für die Zukunft vorgenommen hat.

„Zapata“ klaut Minijobberin den Lohn

Mitte Oktober wendete sich eine Minijobberin an uns, die Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union Jena (FAU), weil Sie ein dreiviertel Jahr in der Bar „Zapata“ in Jena arbeitete und ihr dort Teile ihres Lohns vorenthalten wurden. Diesen forderten wir gemeinsam in einem Schreiben bei der Geschäftsführung des „Zapata“ ein, worauf bis heute nicht nicht reagiert wurde. Deshalb richten wir uns mit dieser Mitteilung an die Öffentlichkeit, um die arbeitsrechtlichen Missstände vor Ort zu thematisieren. Was schief lief:

Zu Beginn des Arbeitsverhältnisses musste die betroffene Arbeiterin unbezahlte „Probearbeit“ leisten, was rechtswidrig ist. Vor jeder Schicht durften die Arbeiterinnen im „Zapata“ sich und die Bar unbezahlt bis zu eine halbe Stunde lang vorbereiten – ebenfalls unbezahlte Arbeitszeit. Auf den regulären Urlaubsanspruch wurden die Arbeiterinnen nicht hingewiesen und die betroffene Person erhielt trotz Aufforderung keinen schriftlichen Arbeitsvertrag, der den Umgang mit Urlaubsansprüchen regelt. Die Krone der Frechheit stellen die „Springerdienste“ dar, in denen sich die Arbeiterin nächtelang bereit hielt um gegebenenfalls kurz zu arbeiten. Die ganze Warterei blieb unbezahlt und wurde nicht mal entschädigt.

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